Hockenheim sogar mit Rundflug

Am vergangenen Wochenende trat das Team bei der IDM am Hockenheimring an. Die Stimmung im Team war gut und wir waren mehr als motiviert ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Freitagmorgen die technischen Abnahme, welche wir ohne weitere Probleme bestanden. Danach bereiteten wir uns auf das erste freie Training um 12 Uhr vor. In den 20 Minuten probierten wir mehrere Linien aus und schnell wurde uns bewusst, dass unser Fahrwerk noch gar nicht für den Kurs passte. Trotzdem waren unsere Zeiten absolut zufriedenstellend.

Nach einer kurzen teaminternen Besprechung waren die Veränderungen am Fahrwerk klar und Uwe setzte diese mit Hilfe von Hubert Eck (Gastmechaniker) direkt in die Tat um.

Foto: RS #11

Im Qualifying fuhren wir als erste auf die Strecke und konnten den freien Kurs auch direkt nutzen um das Fahrwerk zu testen. Schnell wurde klar, wir hatten mit unseren Ideen voll ins Schwarze getroffen und unsere Zeiten wurden stetig besser. Zum Ende des Zeittrainings hatten wir dann nach 3 Kurven bereits unsere bis dahin absolut schnellste Zeit auf der Uhr, als plötzlich das Schaltgestänge brach. Aber trotzdem standen wir auf P7 und waren damit in Anbetracht der WM-Konkurrenz sehr zufrieden.

Den Abend ließen das gesamte Team, bei vorzüglichem Essen bei unserem Stammgriechen in Hockenheim, ausklingen.

Samstagmittag in der zweiten Qualifikation konnten wir nochmals unsere Zeit um eine halbe Sekunde verbessern. Doch noch wichtiger war, dass wir diese auch über die 20 Minuten konstant durchfahren konnten. In der darauffolgenden Besprechung planten wir dann, das Rennen ruhig zu starten und für die Meisterschaft zu fahren, somit hieß es wichtige Punkte mit zu nehmen um die dritte Position zu festigen.

Doch es kommt alles anders als man glaubt… Ab diesem Zeitpunkt nehme ich euch mit in meine (Kevin) Perspektive.

Die Ampel geht auf ROT, ein letzter Atemzug und schon geht die Ampel aus und alle Gespanne fahren los. Direkt neben uns ist bereits das Team Königswartha, die einen guten Start erwischen. In Kurve eins wird es eng und wir müssen weit gehen, wodurch wir noch eine Position verlieren. Ok, das passiert denke ich mir und jetzt konzentriere dich und zieh den Kopf ein. Die ersten Runden vergehen wie im Flug, denn wir sind an dritter Stelle einer 5er Gruppe. In der letzten Kurve vor Start und Ziel riskieren wir es und greifen das Team Königswartha an und es kommt zu einer Berührung. Beide Teams können weiter fahren doch wir verlieren 1 Position. Auf Start und Ziel sehe ich dann, dass der Kotflügel stark beschädigt ist und 2 Schnellverschlüsse ausgerissen sind. In diesem Moment gehen mir tausend Dinge durch den Kopf. Ich entscheide mich dafür nicht zu klopfen, denn es geht um die Meisterschaft. Der Kotflügel wird schon halten.

Jede Linkskurve wird zur Mutprobe, auf den Geraden halte ich den Kotflügel fest und probiere ihn wieder für die nächste Links hinzubiegen. Ganz schön anstrengen bei über 200 km/h. Es funktioniert und Peter kann weiterfahren. Dann die Anfahrt zur Sachskurve. Nochmal kurz den Kotflügel runterziehen bevor ich links raus gehe. Plötzlich geht alles ganz schnell, die Bremse kommt jetzt nach links. Mein linker Arm drückt sich gegen den Kotflügel. Ein lautes Knacken und der Kotflügel reißt ab, mein Arm kommt an den Reifen und dieser schleudert mich im hohen Bogen über das Gespann. Ich knalle auf Peter und werde weiter vor das Gespann geworfen.

Foto: Marta Kopecka

Noch ein harter Einschlag, diesmal im Kies und die Steine prasseln gegen meinen Helm. Beim Abrollen wird mir klar was nun kommt, denn das Gespann kommt hinter mir hergeflogen.

Foto: Marta Kopecka

Es knallt erneut, ich werde vom Beiwagen überrollt und plötzlich ist alles ruhig. Ich liege auf dem Boden und mein ganzer Körper schmerzt. I

m ersten Moment kann ich nicht aufstehen, nach einem kurzen Moment sind direkt 2 Marshalls bei mir und helfen mir auf, direkt merke ich das mein linker Fuß etwas abbekommen hat. Dann geht alles ganz schnell und ich liege im Krankenwagen und bin auf dem Weg ins Medical Center. Ich werde direkt ausgezogen und die Ärzte kümmern sich um mich.

Der Fuß wird direkt versorgt und vom Bauchbereich ein Ultraschall gemacht, dabei fällt dem Arzt Flüssigkeit an der Leber auf und somit heißt es mit dem Helikopter sofort in die Unfallklinik nach Ludwigshafen – Verdacht auf innere Blutungen.

Dann sehe ich mein Team in der Tür stehen, natürlich frage ich, ob das Motorrad in Ordnung ist und irgendwie wirken alle etwas erleichtert mich halbwegs am Stück zu sehen. Dann geht es auf eine weitere Trage und ich liege kurz darauf im Helikopter. Danke an alle Ärzte und Sanitäter, der Ablauf und die Ruhe waren einfach perfekt.

Im Krankenhaus fange ich dann das realisieren an und merke das mein Handy, welches mir das Team mitgab, nicht stillsteht. Nach dem CT und dem Röntgen gebe ich erstmal Entwarnung ans Team. Keine Brüche und die Flüssigkeit im Bereich der Leber ist nicht mehr geworden, trotzdem bleibe ich die Nacht zur Überwachung im Krankenhaus.

Am nächsten Morgen werde ich entlassen und es geht direkt zurück zum Team, kaum angekommen wird die ein oder andere Träne vergossen und jeder darf einmal vorsichtig knuddeln. Danke an euch alle, ihr seid die Besten und habt mir so viel Kraft gegeben. Tut mir echt leid für den Schrecken den ich euch allen eingejagt habe.

Das zweite Rennen durfte ich dann noch als Co-Kommentator von Lukas Gajewski im IDM Livestream mit moderieren.

Heute Morgen (Montag) ging es dann erneut zum Arzt, glücklicherweise sind nur meine Bänder stark lädiert und ich hatte wohl mehr als einen guten Schutzengel an meiner Seite.

An dieser Stelle danke ich ganz besonders unseren Ausstattern der Schutzausrüstung, denn sowohl mein HJC Helm, die Leitwolf Lederkombi und die Frey Daytona Stiefel haben einen perfekten Dienst geleistet und mich vor Schlimmerem bewahrt.

Danke für die lieben Nachrichten von euch, sowas gibt einem enorm viel Kraft.

Jetzt heißt es positiv bleiben, denn am bevorstehenden Wochenende reist das Team gemeinsam zum Sidecar Festival nach Oschersleben. In welchem Rahmen und in welcher Fahrer/ Beifahrer Paarung werdet ihr erst am Freitag erfahren, doch ihr werdet nicht enttäuscht sein!

Bis dahin

Euer SRT #11 Team

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